Australiens Briefmarkenmotiv: “Grabpfähle der PUKAMUNI-Trauerzeremonie“
Bernd Wegener
Im Zuge der gewaltsamen britischen Kolonisation ab 1788 starben viele der 590 indigenen Stämme1 aus. Besonders betroffen von diesem Genozid waren der Südosten und Osten des Kontinents. Im Gegensatz dazu blieb im abgelegenen Nord-Territorium, Süd- und West-Australien die Urbevölkerung – trotz auch dort verübter Massaker – zu ca. 40 Prozent erhalten. Damit verbunden war das Weiterexistieren der traditionellen Lebensart mit ihren Bräuchen und Riten – zumindest so lange bis um ca. 1900 missionarische bzw. staatliche Einflussnahme dieses untersagte. Heute prallt zudem eine massive Einflussnahme durch moderne Medien auch auf die Aboriginal und trifft besonders die junge Generation.
Land: Australien; Wertstufe: 35 Cent
Briefmarkennummer: ASC 534 (Mi: AU 475)
Serie: Aboriginal Art (29th September, 1971)
(dt.: Kunst australischer Ureinwohner, 1971)
Die Weltanschauung der Aboriginal bildete im Kern ein Einheitsbewusstsein von Mensch, Natur und typischer Urzeit (`Traumzeit`). Zu der Vielzahl der Riten gehört auch das Pukamuni der TIWI, die auf der Bathust- und Melville-Insel (Nothern Territory) leben.
Das Ritual des Pukamuni besteht aus einer ganzen Anzahl von Corrobories. Das sind Zeremonien mit Gesang und Tanz, die sich vom eigentlichen Begräbnis des Verstorbenen über einige Monate bis zur Befriedung der `Stammes`-Riten hinziehen. Der endgültige Abschied der Verwandten und Freunde wird durch das Aufstellen beschnitzter und bemalter Pfähle, die um das Grab errichtet werden, symbolisiert. Die Teilnehmer dieser letzten Zusammenkunft sind bemalt und geschmückt. Die Seele des Verstorbenen ist versöhnt. Eine Bedrohung für die Lebenden ist nicht mehr gegeben. Dieses letzte Treffen besteht aus vier unterschiedlichen Corroborees, die in der Nähe des Grabes stattfinden.
• Die nächsten Angehörigen erzählen die Lebensgeschichte des Verstorbenen
• Die entfernten Verwandten erzählen seine Lebensgeschichte
• Die Freunde erzählen seine Geschichte
• Die Pfähle werden am Grab aufgestellt. Alle nehmen Abschied vom Verstorbenen.
Die Pfähle können bis zu sieben Meter hoch sein. Sie enthalten Schnitzereien, tragen aber auch Malereien. Jeder Pfahl symbolisiert ein bestimmtes Familienmitglied, lebend oder tot, männlich oder weiblich. Die Anzahl der aufgestellten Pfähle haben Einfluss auf den Stand des Verstorbenen innerhalb der Lokalgruppe sowie die Mittel seiner Familie.
Mein Dank gilt Herrn Reinhard Wagenknecht / GRASSI Museum für Völkerkunde Leipzig, der mir freundlicher Weise die Pukamuni-Informationen übermittelte. Sie beruhen auf Forschungen von Birgit Scheps / Frederick Rose.
1 TINDALE (1979): die Bezeichnung `Stamm` ist fragwürdig, da die sozialen Strukturen der Aboriginal nicht das Niveau der Stammesgesellschaften, wie z.B. der (meisten) Indianer Nordamerikas erreichten. Wilpert (1988) spricht ergo von `Spracheinheiten` mit 100-1.500 Mitgliedern.
